Fundstücke: Kreuzwort-Pulok – ein vergessenes Gesellschaftsspiel aus den 1930er-Jahren
Lange bevor Scrabble in deutschen Wohnzimmern populär wurde, gab es bereits Gesellschaftsspiele, bei denen Buchstaben zu Wörtern zusammengesetzt wurden. Eines davon war „Das neue Kreuzwort-Pulok“, ein heute weitgehend vergessenes Wortspiel aus dem Stuttgarter Verlag J. F. Steinkopf. Ein vermutlich 1933 erschienenes Originalexemplar hat seinen Weg zu Buchkontor gefunden. Mit seinem blau gestalteten Spielkarton, den grünen Spieltafeln, zahlreichen Buchstabenkärtchen und den erhaltenen Originalunterlagen ist es ein bemerkenswertes Zeugnis deutscher Spiel- und Alltagsgeschichte.
Ein Wortspiel aus einer anderen Zeit
In den 1920er- und 1930er-Jahren erfreuten sich Kreuzworträtsel großer Beliebtheit. Die Idee, das Rätseln mit einem Gesellschaftsspiel zu verbinden, lag deshalb nahe. Kreuzwort-Pulok griff dieses Prinzip auf und machte daraus einen Wettbewerb für die ganze Familie. Auf der erhaltenen Spielanleitung wird es als „Ein Spiel für Familie und Gesellschaft, für 1 bis 6 Personen“ beworben. Dabei ging es nicht nur darum, möglichst viele Wörter zu kennen. Die Spieler mussten ihre Buchstaben geschickt kombinieren, auf bereits gebildete Wörter reagieren und mitunter auch die Pläne ihrer Mitspieler durchkreuzen. Das Spiel verband somit Wortschatz, Kombinationsgabe und taktisches Geschick.
Kreuzwort-Pulok war allerdings keine einzelne Spielidee, sondern bot gleich zehn unterschiedliche Spielvarianten. Zum ursprünglichen Spielmaterial gehörten sechs Spieltafeln, ein Spielteller zur Ablage ausgespielter Kärtchen, eine Anleitung und insgesamt 256 Buchstabenkärtchen. Darunter befanden sich 15 sogenannte Puloks, besondere Kärtchen mit einem markanten Gesicht, die als Ersatz für beliebige Buchstaben eingesetzt werden konnten. Dieses Gesicht mit den buschigen Augenbrauen und dem auffälligen Schnurrbart findet sich auch auf der Spielanleitung und den Werbematerialien. Es war gewissermaßen das Markenzeichen der gesamten Pulok-Spielereihe.
Eine der anspruchsvolleren Varianten trug den Namen „Das große Kreuzwort-Pulok oder Sechzehner-Spiel“. Die Teilnehmer erhielten zunächst jeweils 20 Kärtchen und versuchten anschließend, durch das Anlegen von Buchstaben neue Wörter zu bilden. Dabei konnten bereits vorhandene Wörter erweitert oder verändert werden. Nicht allein die Länge eines Wortes war entscheidend, sondern auch, wie geschickt die vorhandenen Buchstaben eingesetzt wurden. Die verschiedenen Regeln sorgten dafür, dass sich das Spiel sowohl für eine kleinere Runde als auch für größere Gesellschaften eignete.
Zwei Reichsmark für einen unterhaltsamen Abend
Besonders interessant ist eine Werbebeilage, die zusammen mit unserem Exemplar erhalten geblieben ist. Unter der Überschrift „Die Rettung“ erzählt ein zwölfteiliger Bilderbogen eine humorvolle Geschichte über den braven Doktor Lilie und seine Familie. Die zunächst wenig erfreulichen Familienverhältnisse nehmen eine überraschende Wendung, als ein Gesellschaftsspiel für gemeinsame Beschäftigung und gute Laune sorgt. Natürlich handelt es sich um ein Spiel aus der Pulok-Reihe. Die Geschichte ist in gereimten Versen verfasst und mit zeittypischen Zeichnungen illustriert. Sie vermittelt nicht nur einen Eindruck damaliger Werbung, sondern auch von den Vorstellungen eines gemütlichen Familienabends.
Am unteren Rand des Bilderbogens werden zwei Gesellschaftsspiele angeboten: „Sag nix über Pulok“ als Spiel Nr. 1 zum Preis von 1,50 Reichsmark und „Das neue Kreuzwort-Pulok“ als Spiel Nr. 2 für 2 Reichsmark. Gerade diese Preisangaben machen die Beilage zu einem interessanten zeitgeschichtlichen Dokument. Zwei Reichsmark waren in den frühen 1930er-Jahren keineswegs für jeden Haushalt eine belanglose Ausgabe. In einer Zeit, die von den wirtschaftlichen Folgen der Weltwirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit geprägt war, hing die Erschwinglichkeit eines solchen Gesellschaftsspiels stark von den persönlichen Lebensverhältnissen ab. Der Verlag versuchte dennoch, das gemeinsame Spielen als unterhaltsame und gesellige Freizeitbeschäftigung zu etablieren.
Von Stuttgart bis Ravensburg
Die Geschichte der Pulok-Spiele reicht bis in die späten 1920er-Jahre zurück. Den Anfang machte das Gesellschaftsspiel „Sag nix über Pulok“, dem später das stärker auf Buchstaben und Kreuzworträtsel ausgerichtete Kreuzwort-Pulok folgte. Herausgeber war der traditionsreiche Stuttgarter Verlag J. F. Steinkopf. Auf dem Schachteldeckel unseres Exemplars ist ausdrücklich die Bezeichnung „Pulok-Serie Spiel No. 2“ zu lesen. Die zugehörige Anleitung trägt den Titel „Das neue Kreuzwort-Pulok“ und nennt als Verlagsort Stuttgart-W.
Die Steinkopf-Ausgabe wird in Spieledatenbanken auf das Jahr 1933 datiert. Da die erhaltenen Unterlagen unseres Exemplars selbst keinen eindeutig erkennbaren Jahresvermerk tragen, lässt sich das genaue Herstellungsjahr nicht zweifelsfrei bestimmen. Die Gestaltung, die Verlagsangaben und die zeitgenössischen Werbebeilagen sprechen jedoch für eine Ausgabe aus den frühen 1930er-Jahren und damit aus der Vorkriegszeit.
Bemerkenswert ist, dass Kreuzwort-Pulok nicht mit dieser frühen Ausgabe verschwand. In den 1950er-Jahren erschien das Spiel auch beim Ravensburger Spieleverlag. Ausgaben aus den Jahren 1954 und 1960 sind dokumentiert. Damit überdauerte die Spielidee den Zweiten Weltkrieg und fand auch in der jungen Bundesrepublik noch ihre Liebhaber. Heute dürften allerdings nur wenige Menschen den Namen Pulok kennen.
Ein deutscher Verwandter von Scrabble?
Wer die grünen Spieltafeln und die kleinen Buchstabenkärtchen betrachtet, fühlt sich unweigerlich an Scrabble erinnert. Tatsächlich bestehen auffällige Gemeinsamkeiten: Bei beiden Spielen werden aus einzelnen Buchstaben Wörter gebildet, die sich kreuzen oder ergänzen können. Dennoch handelt es sich um unterschiedliche Spiele mit eigenen Regeln und einer eigenständigen Entwicklung.
Scrabble geht auf den amerikanischen Architekten Alfred Mosher Butts zurück, der Anfang der 1930er-Jahre mit verschiedenen Wortspielkonzepten experimentierte. Erst später entwickelte sich daraus das international erfolgreiche Brettspiel. Kreuzwort-Pulok entstand dagegen im deutschsprachigen Raum und gehörte zu einer bereits bestehenden Gesellschaftsspielreihe. Eine direkte Verbindung zwischen beiden Spielen ist nicht belegt. Vielmehr zeigt der Vergleich, dass die Idee eines wettbewerbsorientierten Wortspiels in unterschiedlichen Ländern nahezu zeitgleich aufgegriffen wurde. Während Scrabble schließlich weltweite Bekanntheit erlangte, geriet Kreuzwort-Pulok weitgehend in Vergessenheit.
Ein fast 100 Jahre altes Original bei Buchkontor
Das bei Buchkontor vorhandene Exemplar hat die vergangenen Jahrzehnte mit sichtbaren Gebrauchsspuren überstanden. Der blau gestaltete Schachtelkarton zeigt insbesondere an den Kanten deutliche Abnutzungen. Im Inneren befinden sich jedoch noch die grünen Spieltafeln, zahlreiche Buchstabenkärtchen und die ursprünglichen Spielanleitungen. Besonders reizvoll sind die erhaltenen Werbedrucksachen, darunter der humorvolle Bilderbogen „Die Rettung“.
Gerade diese Kombination aus Spielmaterial und zeitgenössischen Drucksachen macht das Exemplar interessant. Die Frakturschrift der Anleitung, das eigenwillige Pulok-Gesicht und die Werbegeschichte vermitteln einen unmittelbaren Eindruck davon, wie Gesellschaftsspiele vor rund neun Jahrzehnten gestaltet und vermarktet wurden. Vielleicht saß das Spiel einst auf dem Wohnzimmertisch einer Familie, die gemeinsam nach passenden Wörtern suchte und sich über besonders gelungene Buchstabenkombinationen freute. Wer damals gewonnen hat, wissen wir nicht. Doch das Spiel selbst hat die Zeit überdauert.
Für Sammler historischer Gesellschaftsspiele und Liebhaber ungewöhnlicher Zeitzeugnisse bietet sich nun eine besondere Gelegenheit: Das hier vorgestellte Originalexemplar von „Das neue Kreuzwort-Pulok“ aus den frühen 1930er-Jahren wird exklusiv in unserem Onlineshop angeboten. Es handelt sich um genau das Exemplar, das auf den Fotos dieses Beitrags zu sehen ist. Als historisches Einzelstück ist es nur einmal verfügbar.
Kreuzwort-Pulok – historisches Gesellschaftsspiel von 1933, vollständig
Kreuzwort-Pulok von 1933 – vollständiges historisches Gesellschaftsspiel aus dem Verlag J. F. Steinkopf mit Originalanleitung und Werbebeilagen. Seltenes Sammlerstück.
1 vorrätig
Ein beinahe vergessenes Gesellschaftsspiel, das einst zwei Reichsmark kostete und heute ein kleines Stück deutscher Alltagsgeschichte bewahrt – genau die Art von Entdeckung, der wir in unserer Reihe „Fundstücke“ einen Platz geben möchten.







