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Fundstücke: Alte Schiffspläne der Mar del Plata und MS Heinrich Heine

Wer alte Bücher ankauft, bekommt manchmal mehr als Bücher. Zwischen Buchbeständen, Nachlässen und alten Sammlungen tauchen immer wieder Dinge auf, die sich in keine unserer üblichen Kategorien einordnen lassen: Fotografien, Briefe, Dokumente, Karten – oder, wie in diesem Fall, großformatige technische Schiffspläne. Unser jüngster Fund besteht aus fünf historischen Plänen und einer Bord-Wetterkarte. Die Unterlagen gehören zu einem Schiff, das unter drei verschiedenen Namen und Flaggen eine erstaunliche Geschichte erlebte. Auf den Plänen heißt es noch M/S Mar del Plata. Später fuhr dasselbe Schiff für die DDR als MS Heinrich Heine.

Gebaut 1938 in Belgien

Die Mar del Plata wurde 1938 bei John Cockerill S.A. in Hoboken bei Antwerpen gebaut. Sie trug die Baunummer 656 und wurde im September 1938 an die belgische Compagnie Maritime Belge übergeben. Das kombinierte Fracht- und Passagierschiff war rund 140 Meter lang und wurde zunächst im Überseeverkehr eingesetzt. Genau diese Herkunft lässt sich auf unseren Plänen noch unmittelbar ablesen. Auf einem Blatt findet sich beispielsweise die Beschriftung:

„M/S MAR DEL PLATA – Constr.: S.A. John Cockerill, Hoboken – Belgique – 9-1938 – N° 656“

Darunter steht „Compagnie Maritime Belge – Bureau d’Études – Anvers, 28-9-54“. Dieser Plan wurde also während der belgischen Zeit des Schiffes erstellt beziehungsweise überarbeitet. Andere Unterlagen tragen ebenfalls die Bezeichnung Société Cockerill und verschiedene Zeichnungsnummern. Zu sehen sind unter anderem Generalpläne verschiedener Decks sowie Angaben über Laderäume, Vorratsräume, Tanks und deren Kapazitäten. Teilweise finden sich darauf später angebrachte deutsche Beschriftungen.

Aus der „Mar del Plata“ wird die „Heinrich Heine“

1958 kaufte die DDR die Mar del Plata. Am 26. März 1958 wurde das Schiff von der Deutschen Seereederei Rostock übernommen und erhielt den Namen Heinrich Heine. Die alten belgischen Unterlagen wurden offenbar nicht einfach entsorgt: Auf einem unserer Pläne befindet sich über dem ursprünglichen Namen Mar del Plata ein zusätzlicher Stempel mit der Aufschrift „M/S ‚Heinrich Heine‘“.

Damit werden auf einem einzigen Blatt zwei Abschnitte der Geschichte dieses Schiffes sichtbar. Der Plan stammt noch aus der Zeit der belgischen Mar del Plata, wurde aber offenbar auch nach der Übernahme durch die Deutsche Seereederei weiterverwendet. Gerade solche Spuren machen historische Gebrauchsdokumente interessant. Sie wurden nicht geschaffen, um Jahrzehnte später gesammelt zu werden, sondern waren Arbeitsmaterial.

Frachter und schwimmende Ausbildungsstätte

Die Deutsche Seereederei setzte die Heinrich Heine nicht nur als Frachtschiff ein. Gemeinsam mit der ebenfalls 1938 bei Cockerill gebauten ehemaligen Copacabana, die in der DDR den Namen Theodor Körner erhielt, diente sie auch der Ausbildung des seemännischen Nachwuchses. Auf der Heinrich Heine standen Ausbildungsplätze für etwa 120 Lehrlinge zur Verfügung. Gleichzeitig blieb das Schiff ein vollwertiger Frachter und war in den folgenden Jahren auf zahlreichen internationalen Routen unterwegs, unter anderem nach Afrika und später regelmäßig nach Kuba.

Damit war die Heinrich Heine für zahlreiche junge DDR-Seeleute wahrscheinlich weit mehr als nur ein Arbeitsplatz. Für viele dürfte sie eines der Schiffe gewesen sein, auf denen sie erstmals große Teile der Welt kennenlernten.

Eine Wetterkarte vom Nordatlantik

Zu den fünf technischen Plänen gehört noch ein sechstes Stück, das auf den ersten Blick unscheinbarer wirkt: eine Bord-Wetterkarte Nr. 4 für den Nordatlantischen Ozean. Auch sie trägt einen handschriftlichen Bezug zur „H. Heine“. Als Datum ist der 28. Februar 1964 eingetragen, als Uhrzeit 12.30 GMT. Auf der Karte wurden meteorologische Informationen und Wetterlagen eingezeichnet.

Damit handelt es sich nicht einfach um eine allgemeine Seekarte, sondern um ein Dokument aus der Zeit, in der das Schiff tatsächlich für die Deutsche Seereederei unterwegs war. Die technischen Pläne erzählen, wie das Schiff aufgebaut war, die Wetterkarte führt dagegen unmittelbar in seinen Alltag auf See.

Ein bewegtes Schiffsleben

Die Geschichte der Mar del Plata begann allerdings lange vor ihrer Zeit in der DDR. Während des Zweiten Weltkriegs geriet das belgische Schiff in deutsche Hand und wurde unter anderem als Transport- und Verwundetenschiff verwendet. Im Mai 1945 wurde es vor Aarhus durch eine Mine schwer beschädigt. Nach Reparatur und Rückgabe an die belgische Reederei nahm es seinen zivilen Dienst wieder auf. 1958 folgte schließlich der Verkauf an die DDR.

Zehn Jahre später endete auch dieser Abschnitt: Am 2. Mai 1968 wurde die Heinrich Heine bei der Deutschen Seereederei außer Dienst gestellt. Das Schiff wurde nach Zypern verkauft und fuhr anschließend unter dem Namen Cleo II weiter. Im Januar 1973 erreichte es Kaohsiung auf Taiwan, wo es nach fast 35 Jahren Einsatzzeit abgewrackt wurde. Aus der belgischen Mar del Plata war die DDR-Heinrich Heine und schließlich die Cleo II geworden.

Was von der „Heinrich Heine“ geblieben ist

Das Schiff selbst existiert seit mehr als fünf Jahrzehnten nicht mehr. Umso spannender sind Unterlagen, die seinen Einsatz überdauert haben. Unsere fünf Pläne stammen aus der damaligen technischen Dokumentation des Schiffes. Auf ihnen stehen noch der belgische Name Mar del Plata, die Werft John Cockerill und die Compagnie Maritime Belge. Gleichzeitig finden sich deutsche Beschriftungen und der spätere Name Heinrich Heine.

Zusammen mit der Bord-Wetterkarte entsteht so ein kleines Konvolut zur Geschichte eines einzelnen Schiffes. Und genau darin liegt der Reiz solcher Fundstücke: Ein Stapel unscheinbarer, gefalteter Papiere entpuppt sich plötzlich als Zeugnis von mehreren Jahrzehnten europäischer Schifffahrtsgeschichte. Gefunden haben wir ihn nicht in einem Archiv oder in einem Schifffahrtsmuseum – die Unterlagen lagen zwischen alten Büchern.

Die Pläne sind bei Buchkontor erhältlich

Die hier gezeigten fünf Schiffspläne sowie die zugehörige Bord-Wetterkarte werden als zusammengehöriges Konvolut angeboten. Bei solchen besonderen Fundstücken machen wir bewusst eine Ausnahme von unserem üblichen Vertrieb: Das Konvolut wird ausschließlich direkt über buchkontor.com angeboten. Die Unterlagen werden nicht bei ZVAB, AbeBooks oder auf anderen von uns genutzten Verkaufsplattformen eingestellt.

So bleibt dieses außergewöhnliche Stück Schifffahrts- und DDR-Geschichte dort, wo es auch wiederentdeckt wurde: beim Buchkontor.


Historisches Konvolut zur M/S Mar del Plata und zur späteren MS Heinrich Heine der Deutschen Seereederei Rostock.

399,00 €

Historisches Konvolut aus 5 technischen Schiffsplänen und einer Bord-Wetterkarte der M/S Mar del Plata, später MS Heinrich Heine der Deutschen Seereederei. Zeitgenössische Unterlagen mit belgischen Werft- und Reedereiangaben, späteren deutschen Beschriftungen und Heinrich-Heine-Stempel. Bord-Wetterkarte datiert 28.02.1964. Verkauf nur als komplettes Konvolut und exklusiv über buchkontor.com.

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Fundstücke aus dem Buchankauf

Mit diesem Beitrag beginnen wir eine neue Reihe in unserem Magazin Lesenswert. Denn zwischen alten Büchern findet sich manchmal etwas, das eigentlich gar kein Buch ist – aber trotzdem eine Geschichte erzählt. Unter dem Titel Fundstücke aus dem Buchankauf stellen wir künftig solche außergewöhnlichen Entdeckungen vor.