Hans Kollhoff wird 80 – Ein großer Architekt aus Lobenstein, den seine Heimat fast vergessen hat

Am 18. September 2026 feiert Hans Kollhoff seinen 80. Geburtstag. Sein Name ist eng mit der jüngeren deutschen Architekturgeschichte verbunden. Seine Bauten prägen unter anderem Berlin und Frankfurt am Main, er lehrte mehr als zwei Jahrzehnte an der renommierten ETH Zürich und gehört zu den Architekten, die die Diskussion über Architektur und Stadtentwicklung in Deutschland nachhaltig beeinflusst haben.
Was in unserer Region dagegen erstaunlich wenig bekannt ist: Hans Kollhoff wurde am 18. September 1946 in Lobenstein, dem heutigen Bad Lobenstein, geboren.
Geboren in Lobenstein – in der Heimat beinahe vergessen
Dass einer der bekanntesten deutschen Architekten der Gegenwart aus dem heutigen Bad Lobenstein stammt, scheint in seiner Heimat weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein.
Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist die regionale Berichterstattung: Sucht man auf der Internetseite der Ostthüringer Zeitung (OTZ) nach „Hans Kollhoff“, liefert die Suche derzeit keine Treffer. Für einen Mann, der in Lobenstein geboren wurde und später zu einem international bekannten Vertreter deutscher Architektur wurde, ist das zumindest erstaunlich.
Sein 80. Geburtstag am 18. September 2026 ist deshalb ein guter Anlass, auch in Ostthüringen wieder an Hans Kollhoff zu erinnern.
Von Lobenstein über Karlsruhe nach New York
Hans Kollhoff wurde 1946 in Lobenstein geboren. Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er in Thüringen, bevor seine Familie 1953 die DDR verließ und nach Westdeutschland übersiedelte.
1968 begann Kollhoff sein Architekturstudium an der Universität Karlsruhe. Ein Studienjahr führte ihn an die Technische Universität Wien und in das Atelier des österreichischen Architekten Hans Hollein. 1975 schloss er sein Studium in Karlsruhe ab.
Anschließend ging Kollhoff mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an die Cornell University in den USA. Dort arbeitete er im Umfeld des bedeutenden deutschen Architekten Oswald Mathias Ungers. Nach seiner Rückkehr gründete Kollhoff 1978 sein eigenes Architekturbüro in Berlin.
1990 wurde er als Professor für Architektur und Konstruktion an die ETH Zürich berufen. Dort lehrte er bis 2012.
Gebäude, die das Stadtbild prägen

Foto: Rupp.de / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Zu den bekanntesten Arbeiten Kollhoffs gehört zweifellos der Kollhoff-Tower am Potsdamer Platz in Berlin. Das markante Hochhaus mit seiner charakteristischen Fassade gehört heute zu den bekanntesten Gebäuden des nach der Wiedervereinigung neu gestalteten Potsdamer Platzes.
Doch Kollhoffs Werk ist wesentlich umfangreicher. In Frankfurt am Main entstand nach seinen Plänen das Main Plaza am Deutschherrnufer. Der 2001 fertiggestellte Bau erreicht eine Höhe von 88 Metern und zeigt deutlich Kollhoffs Vorliebe für eine monumentale, stark gegliederte Architektur.
Kollhoff beschäftigte sich dabei nicht nur mit einzelnen Gebäuden. Ein wesentlicher Teil seines Schaffens gilt der Frage, wie Häuser, Straßen und Plätze gemeinsam eine Stadt bilden.
Architektur zwischen Tradition und Moderne
Hans Kollhoff gehört zu jenen Architekten, die sich immer wieder kritisch mit der modernen Architektur und dem Städtebau auseinandergesetzt haben. Seine Gebäude zeichnen sich häufig durch massive Fassaden, Naturstein oder Backstein, klar gegliederte Fensterachsen und Bezüge zur klassischen europäischen Stadtarchitektur aus.
Damit vertritt Kollhoff eine Position, die nicht unumstritten ist. Gerade diese klare Haltung machte ihn jedoch über Jahrzehnte zu einer wichtigen Stimme in der deutschen und europäischen Architekturdebatte.
Architektur ist für Kollhoff nicht nur die Gestaltung eines einzelnen Gebäudes. Sie ist immer auch Teil der Stadt und damit eines größeren kulturellen Zusammenhangs.

Foto: Gunnar Klack / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Ein gutes Beispiel dafür sind die Leibniz-Kolonnaden am Walter-Benjamin-Platz in Berlin-Charlottenburg. Die zwischen 1997 und 2000 entstandene Anlage wurde von Hans Kollhoff und Helga Timmermann entworfen.
Hans Kollhoff als Autor
Kollhoff hat seine Vorstellungen von Architektur nicht nur in seinen Bauwerken umgesetzt. In zahlreichen Texten, Vorträgen und Büchern beschäftigt er sich mit Architektur, Städtebau und der Entwicklung seines Berufsstandes.
Leider haben wir keines seiner Bücher derzeit bei Buchkontor in Angebot. Wer sich näher mit Kollhoffs Gedanken beschäftigen möchte, findet einige seiner Veröffentlichungen jedoch unter anderem bei Thalia und Amazon.
Ein berühmter Lobensteiner, an den man sich erinnern sollte
Hans Kollhoff hat seine thüringische Heimat bereits als Kind verlassen. Sein weiterer Lebensweg führte ihn nach Karlsruhe, Wien, New York, Berlin und Zürich. Doch sein Geburtsort bleibt Lobenstein.
Dass ein in Lobenstein geborener Architekt später an einer der renommiertesten Hochschulen Europas lehrte, international baute und die Diskussion über Architektur und Städtebau über Jahrzehnte mitprägte, dürfte in Ostthüringen durchaus bekannter sein.
Vielleicht ist sein 80. Geburtstag am 18. September 2026 deshalb nicht nur ein Anlass, Hans Kollhoff zu gratulieren. Er bietet auch die Gelegenheit, einen berühmten Sohn Lobensteins in seiner Heimat wiederzuentdecken.
Quellen und weiterführende Informationen
Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai), Karlsruher Institut für Technologie:
https://www.saai.kit.edu/bestand/hans-kollhoff.php
Munzinger – Hans Kollhoff:
https://www.munzinger.de/register/portrait/biographien/kollhoff%20hans/00/23303

